Geschichte

Sonstiges

Sassnitz hieß bis zum 2. Februar 1993 „Saßnitz“. Mit der Umbenennung wurde der Name der Stadt der Schreibweise in der Ernennungsurkunde für das Stadtrecht vom 23. November 1956 angeglichen. Es bestand also kein Zusammenhang zur Rechtschreibreform von 1996.



Personen



Friedrich Schleiermacher Um 1818 etwa ließ sich Caspar David Friedrich an der Steilküste Jasmunds bei Sassnitz von den Kreidefelsen so sehr inspirieren, dass er sein berühmtes romantisches Gemälde "Kreidefelsen auf Rügen" erschuf. Der Berliner Theologe Friedrich Schleiermacher schickte 1824 seine Frau und seine Kinder für längere Zeit nach Sassnitz. Dieses Jahr gilt als das Geburtsjahr von Sassnitz als Badeort. Johannes Brahms weilte 1876 für längere Zeit in Sassnitz. Er komponierte hier den letzten Satz seiner 1. Sinfonie c-Moll. Die deutsche Kaiserin Auguste Victoria verbrachte 1890 gemeinsam mit den Prinzen einen längeren Sommerurlaub in der „Villa Martha“. Das Gebäude befindet sich direkt am Steilufer von Sassnitz über dem Kurplatz und auch heute befinden sich hier zwei Ferienwohnungen, in denen man, wie damals die Kaiserin, seinen Urlaub verbringen kann. Das ehemalige Zofenhaus für die Begleitung der Kaiserin, die „Villa Katharina“ befindet sich gleich nebenan und ist heute ein reines Ferienappartementhaus.
Kaiserin Auguste Victoria Theodor Fontane sammelte in Sassnitz 1895 Anregungen für seinen weltbekannten und verfilmten Roman „Effi Briest“. Hier lässt Fontane die Protagonisten seines Romans im 24. Kapitel folgendermaßen über „einen Aufenthalt auf Rügen“ räsonieren: »Zunächst natürlich Stralsund ... Und dann von Stralsund nach Bergen und dem Rugard, von wo man ... die ganze Insel übersehen kann, und dann zwischen dem Großen und Kleinen Jasmunder-Bodden hin, bis nach Saßnitz. Denn nach Rügen reisen heißt nach Saßnitz reisen. Binz ginge vielleicht auch noch, aber da sind – ich muß Wüllersdorf noch einmal zitieren – so viele kleine Steinchen und Muschelschalen am Strand, und wir wollen doch baden.« Wladimir Iljitsch Lenin reist 1917 aus der Schweiz kommend über die Fährlinie Sassnitz–Trelleborg und Finnland nach Sankt Petersburg. Die Miss Volleyball der 1980er Jahre, Ariane Radfan, Rekordnationalspielerin mit 282 Einsätzen, Volleyballerin des Jahres 1990, wurde am 5. April 1964 in Sassnitz geboren. Die Olympiazweite von Athen 2004 und Europameisterin von Gotland 2006 im Speerwerfen , Steffi Nerius, geb. am 1. Juli 1972, hat bei der SG Empor Sassnitz bis 1986 unter der Anleitung von Günter Piniak ihre leichtathletischen Grundlagen erhalten.

Sagenhaftes und Spirituelles

Die Germanengöttin Hertha, auch Erdmutter Nerthus genannt, soll im Nationalpark Jasmund in der nach ihr benannten Herthaburg gelebt haben. Tatsächlich findet der Besucher im Nationalpark einige Erdwälle, die zu einer ehemaligen slawischen Fluchtburg gehörten. Angeblich fuhr die Göttin Hertha einmal im Jahr anlässlich eines Fruchtbarkeitsrituals, verhüllt in einen dichten Schleier, auf einem Wagen, den schneeweiße Kühe zogen, an den angrenzenden Herthasee, um darin zu baden. Sterblichen war der Anblick der badenden Göttin verwehrt. Deshalb wurden alle Diener und Sklaven, die ihr beim Bade behilflich waren, anschließend im See ertränkt.
Theodor Fontane hat diese Legende in seinem Roman „Effi Briest“ aufgegriffen. Auch heute hinterlässt die Herthaburg und ihre Umgebung dieselbe unheimliche, ja gespenstische Wirkung auf den Besucher, wie sie Fontane damals beschrieben hat. Es scheint, als habe sich nichts verändert. Selbst die Opfersteine sind noch da:
»Der von hohen Bäumen umstandene See lag ganz in der Nähe, Binsen säumten ihn ein, und auf der stillen, schwarzen Wasserfläche schwammen zahlreiche Mummeln. »Es sieht wirklich nach so was aus«, sagte Effi, »nach Herthadienst.« »Ja, gnäd’ge Frau ... Dessen sind auch noch die Steine Zeugen.« »Welche Steine?« »Die Opfersteine.« Und während sich das Gespräch in dieser Weise fortsetzte, traten alle drei vom See her an eine senkrechte, abgestochene Kies- und Lehmwand heran, an die sich etliche glattpolierte Steine lehnten, alle mit einer flachen Höhlung und etlichen nach unten laufenden Rinnen. »Und was bezwecken die?« »Daß es besser abliefe, gnäd’ge Frau.« »Laß uns gehen«, sagte Effi, und den Arm ihres Mannes nehmend, ging sie mit ihm wieder auf das Gasthaus zurück, wo nun, an einer Stelle mit weitem Ausblick auf das Meer, das vorher bestellte Frühstück aufgetragen wurde ... Innstetten, wenn auch ohne Wissen und Ahnung dessen, was in ihr vorging, sah doch deutlich, daß es ihr an aller Lust und Freude gebrach. »Es tut mir leid, Effi, daß du der Sache nicht recht froh wirst. Du kannst den Herthasee nicht vergessen und noch weniger die Steine.«
Auch der Königsstuhl hat seinen Namen aus einer Begebenheit der sagenhaften Vergangenheit. Derjenige wurde König, der von der Seeseite her die Klippen erklimmen konnte. Einige mutige Kletterer sind in letzter Zeit zu Tode gekommen, als sie der Sage auf den Grund gehen wollten.
Eine weitere Sage berichtet, dass der berühmte Freibeuter Klaus Störtebeker im Jahre 1340 auf dem Gut Ruschvitz auf Jasmund geboren wurde. Die Piratenschlucht in Sassnitz unweit der Altstadt soll einer der zahlreichen Schlupfwinkel von Klaus Störtebeker und seinen Vitalienbrüdern in der Ostsee gewesen sein. Klaus Störtebekers Eltern sind der Legende nach leibeigene Bauern des Gutsherrn von Ruschvitz gewesen. Als der junge Klaus sich einmal verbotenerweise einen Schluck Met aus der Kanne seines Leibeigners genehmigt, wird er erwischt, gefesselt und verprügelt. Er kann die Fesseln aber aufgrund seiner schon damals enormen Kräfte sprengen und entkommt. Am Kap Arkona trifft er auf den Hauptmann Gödeke Michels und bittet um Aufnahme in dessen Bande. Dazu muss Klaus Störtebeker eine Kraftprobe bestehen. Mit bloßen Händen zieht er ein Hufeisen auseinander und drückt eine schwere Zinnschüssel wie Pappe zusammen. Anschließend fragt der flüchtige Bauernsohn durstig nach einem Schluck Met. Gödeke Micheels gibt ihm den größten Becher des Schiffes. Mit kräftigen Zügen leert er den stiefelgroßen Becher einmal, zweimal und sogar ein drittes Mal. Beeindruckt davon ruft der Hauptmann: „Du sollst von nun an ‚Störtebeker‘ heißen“, für „stürz’ den Becher“. Wegen seiner Kraft und Kühnheit wird Störtebeker schon bald neben Gödeke Micheels zum Anführer der Piraten mit dem Namen Likedeeler. Seit 1993 finden in den Sommermonaten auf der Freilichtbühne in Ralswiek die Störtebeker-Festspiele statt.

Wirtschaft



Wirtschaft


Fährhafen Sassnitz
Sassnitz lebt zum großen Teil von der Gastronomie und dem Tourismus, da Rügen insgesamt eines der meistbesuchten Urlaubergebiete Deutschlands ist.
Der Kreideabbau bei Klementelvitz unweit von Sassnitz ist ein traditioneller Industriezweig der Insel. Schon seit 1840 wird hier Kreide im Tagebau abgebaut. Heute findet das „weiße Gold“ nicht nur für die Herstellung von Gips Verwendung, sondern wird wegen seiner hohen Qualität in zunehmenden Maße auch von Kraftwerken für ihre Filteranlagen nachgefragt. Außerdem ist die heilbringende Wirkung der „Rügener Kreide“ für die Gesundheits- und Präventivmedizin interessant und findet in diesem Bereich immer mehr Anhänger und Abnehmer.
Der Fährhafen Sassnitz im Ortsteil Mukran ist der östlichste Tiefwasserhafen Deutschlands. Diese Lage ermöglicht die kürzesten Seeverbindungen von Deutschland nach Schweden, Dänemark (Bornholm), Finnland, Russland und ins Baltikum. Der Hafen liegt unmittelbar an der offenen See und ermöglicht so der Schifffahrt eine unkomplizierte Ansteuerung. Deshalb können zeitraubende Revierfahrten unterbleiben und es besteht keinerlei Lotsenpflicht. Wassertiefen von 10,50 m machen den Hafen für alle im Ostseeraum agierenden Schiffsklassen zugänglich. Durch seine optimal gestalteten Gleisanlagen hat sich der Fährhafen Sassnitz zu einem Spezialhafen für den kombinierten Güterverkehr entwickelt. Heute werden jährlich etwa 70.000 Waggons auf der Scandlines-Linie von und nach Trelleborg umgeschlagen und etwa 7.400 Waggons auf den Linien von und ins Baltikum. Im Fährhafen Sassnitz sind viele Industrie- und Gewerbeunternehmen angesiedelt:Das Fischwerk Mukran der holländischen Betreibergesellschaft Parlevliet & Van der Plas: Hier werden jährlich über 30.000 Tonnen Hering für die Fischindustrie zu Heringslappen, Filets und Frostware verarbeitet. Ein großer Anteil kommt von Fischern aus Sassnitz und Mecklenburg-Vorpommern, die ihre Fänge zu vereinbarten Festpreisen mit eigenen Kuttern, mit angemieteten Fischtankern oder per Lkw an der Pier des modernsten Fischverarbeitungszentrums in Europa anliefern. Der Rest wird aus Schleswig-Holstein, Dänemark und Schweden importiert. Die Schau-Produktionsanlage der Bäckerei Peters: Im Juli 2006 ist hier das acht Meter hohe Glashaus vis-a-vis zum Meer fertig gestellt worden. Durch die Glasfronten können Gäste und Passanten einigen der 70 Mitarbeitern bei ihrer täglichen Arbeit auf die Finger sehen. Anschließend können die Besucher im Café Platz nehmen, oder auf der hauseigenen Terrasse mit Blick auf den Fährhafen, oder auf einer der Picknick-Inseln der angrenzenden Wiese. Die INVO Bauplanung GmbH aus Ribnitz-Damgarten. Diese Gesellschaft möchte eine Steinfabrik für 36 Millionen Euro auf dem früheren Bahngelände im Bereich des Fährhafens errichten. Die Produktion basiert auf dem aus Italien stammenden Bretonstone-System. Dabei wird Natursteingranulat durch Pressvorgänge in Verbindung mit Kunstharz zu hochwertigen Steinplatten verarbeitet. Für den Standort Mukran sprechen nach Angaben des Geschäftsführers zwei Faktoren. Erstens lasse sich der Antransport des Granulats aus Italien und der Abtransport der Fertigprodukte am effektivsten über den Seeweg abwickeln. Außerdem seien die hervorragenden Verbindungen des Hafens zum osteuropäischen Markt und in Richtung Skandinavien ein eindeutiger Standortvorteil. Nach 10-monatiger Bauzeit soll ab Januar 2007 die Produktion anlaufen.