Geschichte von Ralswiek

Geschichte

Bronzezeitliche Grabhügel, die sich westlich von Ralswiek befinden, belegen, dass diese Gegend schon vor mehr als 5.500 Jahren besiedelt war.
Der Ort wurde im 8. Jahrhundert von den elbslawischen Ranen als Seehafen gegründet. Neben der Tempelburg auf dem Kap Arkona und Charenza war Ralswiek die wichtigste Stadt (Civitates) der Ranen auf der Insel Rügen.
Das heute kleine Ralswiek gehörte einst zu den wichtigsten Hafenorten in der Ostsee. Die umfangreichen Handelsbeziehungen, die zu anderen Städten an der Ostsee bestanden, belegen archäologische Funde von Specksteinschalen aus Norwegen und Hipfelhenkelgefäße, die einst in Schweden hergestellt wurden. Da hier sogar arabische Dirhams und persische Drachmen gefunden wurden, sind auch Handelsbeziehungen bis in den arabischen Raum belegt. Ein Münzfund von arabischen 2.203 Dirhams, die alle zwischen 459 und 847 n. Chr. geprägt wurden, ist heute im Kulturhistorischen Museum in Stralsund zu finden.
Archäologisch interessant sind auch die vier ranischen Boote, die man zufällig zwischen 1967 und 1980 entdeckte.



Besonderheiten

In Ralswiek werden seit 1993 alljährlich auf einer Naturbühne die Störtebeker-Festspiele veranstaltet; in den Jahren 1959–1961 und 1980–1981 an gleicher Stelle die Dramatische Ballade „Klaus Störtebeker“ von Kurt Barthel. Das 1893 erbaute Schloß Ralswiek beherbergt heute ein Hotel.

Klaus Störtebecker

Klaus Störtebeker (* um 1360; † möglicherweise 21. Oktober 1401 in Hamburg) war Anführer der Likedeeler („Gleichteiler“) und der wohl bekannteste Seeräuber, der aus den Reihen der Vitalienbrüder hervorging. Diese schreckten nicht vor grausamen Morden zurück. Sie kämpften unter anderem lange Zeit erfolgreich gegen die hanseatischen „Pfeffersäcke“. Bundesgenossen Störtebekers und ebenfalls berüchtigte Likedeeler waren die Kapitäne Gödeke Michels, Hennig Wichmann und Magister Wigbold.

Der 1878

von Arbeitern auf dem Grasbrook gefundene und lange Zeit als sogenannter „Störtebeker-Schädel“ im Museum für Hamburgische Geschichte ausgestellte Schädel konnte bisher nicht zweifelsfrei Klaus Störtebeker zugeschrieben werden. Eine DNA-Analyse am Institut für Humanbiologie der Universität Hamburg soll darüber demnächst näheren Aufschluss geben.

Sein Leben

Manche nehmen an, Störtebeker sei aus der Gegend von Rotenburg (Wümme)/Verden, andere meinen, er stamme aus Wismar. Im Liber proscriptorum, dem „Verfestungsbuch“ der Stadt Wismar, ist im Jahre 1380 ein Vorfall festgehalten, wonach zwei Wismarer Bürger aus der Stadt gewiesen wurden, weil sie einem anderen in einer Schlägerei verschiedene Knochenbrüche zugefügt hatten. Der Betroffene der Auseinandersetzung wird als „nicolao stortebeker“ bezeichnet. Es spricht viel dafür, dass dieser Nikolaus Störtebeker später als Klaus Störtebeker in die Geschichte einging.

Angeblich hat sich der Freibeuterkapitän den Namen Störtebeker (aus dem Niederdeutschen von „Stürz den Becher“) wegen seiner Trinkfestigkeit als Spitznamen verdient. So soll er der Sage nach einen 4-Liter-Humpen (einen ellenhohen Becher) Bier ohne abzusetzen in einem Zug leergetrunken haben.

Ins öffentliche Bewusstsein trat Störtebeker erst nach der Vertreibung der Vitalienbrüder von der Insel Gotland als Kapitän der Likedeeler, nachdem diese sich Mitte der 90er Jahre des 14. Jahrhunderts als Freibeuter selbstständig gemacht hatten. Die Vitalienbrüder unterstützten ursprünglich König Albrecht von Schweden im Kampf gegen die dänische Königin Margarethe I. und betrieben dazu auch Seeräuberei in Nord- und Ostsee. Den Übergriffen auf die Schiffe der Dänen und Lübecker, die auf dänischer Seite standen, folgten bald Überfälle auf andere Schiffe der Hanse. Hierfür hatten die Vitalienbrüder Kaperbriefe erhalten. Damit ausgestattet konnten sie die erbeuteten Waren in Wismar frei auf dem Markt verkaufen.

Ab 1396 hatte Störtebeker auch Unterstützung in Marienhafe, Ostfriesland, wo er eine Tochter des friesischen Häuptlings Keno ten Broke geheiratet haben soll. Diplomatischer Druck seitens der Hansestädte führte zum Verlust dieser Operationsbasis. Am 15. August 1400 beurkundete Herzog Albrecht von Holland einen mit den Vitalienbrüdern geschlossenen Vertrag. Diesem zufolge nahm er 114 Vitalienbrüder auf und stellte sie unter seinen Schutz. Dabei werden acht Hauptleute namentlich genannt, darunter ein Johan Stortebeker. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich ein weiterer Anführer mit dem Namen Störtebeker in den Vordergrund gedrängt hat. Darum muss angenommen werden, dass Klaus Störtebeker nicht wie Gödeke Michels nach Norwegen geflohen ist, sondern sich weiterhin nahe der Nordsee aufgehalten hat.

Zeitgeschichte

Die Hanse und insbesondere die Hansestadt Hamburg versuchten selbstverständlich, den Seehandel mit England und Holland vor Piratenangriffen zu schützen. Sie verstärkten insbesondere die Anstrengungen zur Verfolgung und Bekämpfung Störtebekers und Gödeke Michels. Störtebeker soll den überlegenen Hamburger Kriegskoggen mit seinen Schiffen aber immer wieder auf die hohe See entkommen sein.

Am 22. April 1401 wurde er von einer hamburgischen Flotte unter Simon von Utrecht vor Helgoland gestellt, in der Seeschlacht nach erbittertem Kampf gefangen genommen und auf der Bunten Kuh nach Hamburg gebracht. Angeblich soll dieser Erfolg erst durch die Hilfe eines Verräters ermöglicht worden sein, der unbemerkt flüssiges Blei in die Steueranlage goss und damit Störtebekers Schiff manövrierunfähig machte – alternativ wird dies mit der Zerstörung des Hauptmastes durch Geschosse der Bunten Kuh erklärt.

Die Hinrichtung

Klaus Störtebeker wurde am 20. Oktober 1401 mit rund 30 Gefährten, unter ihnen sein Steuermann Humbert Grobherz, auf dem Grasbrook bei Hamburg durch einen Scharfrichter namens Meister Rosenfeld enthauptet.

Die Legende

Der Legende nach soll Störtebeker vom Bürgermeister der Hansestadt Kersten Miles gestattet worden sein, dass all jene Männer überleben durften, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeizugehen vermochte. An elf Männern schritt der Geköpfte vorbei, bevor ihm der Henker den Richtblock vor die Füße warf (lt. einigen Quellen ihm ein Bein stellte). Nach dem Sturz des Piraten brach der Bürgermeister allerdings sein gegebenes Versprechen, und alle 73 Seeräuber wurden enthauptet. Andere Quellen sprechen davon, dass dies lediglich eine letzte List von Störtebeker war, um als erster hingerichtet zu werden. Denn während das Beil am Anfang noch am schärfsten ist, wird es mit jeder Hinrichtung zunehmend stumpfer und die Hinrichtung qualvoller, denn es kam häufig vor, dass nicht der erste Schlag zum Abtrennen des Kopfes führte. Allerdings wurden in jener Zeit in Deutschland Enthauptungen meist mit dem Schwert durchgeführt.

Eine weitere Legende um seine Hinrichtung besagt, dass der Scharfrichter Rosenfeld alle Enthauptungen selbst und fehlerfrei durchgeführt hätte- bei immerhin 73 Enthauptungen am Stück eine ungewöhnliche Leistung. Als ihn ein Mitglied des anwesenden Rates darob lobte, soll er geantwortet haben, das sei noch gar nichts, er könne auf Wunsch auch noch den gesamten, versammelten Rat abtun. Worauf er selbst in Gewahrsam genommen wurde und vom jüngsten Ratsmitglied enthauptet wurde.

Die Köpfe wurden zur Abschreckung längs der Elbe aufgespießt. Hinterlassenschaften Störtebekers, wie sein berühmter Trinkbecher, wurden beim Großen Hamburger Brand 1842 zerstört.

Die Sage will wissen, dass Störtebeker dem Senat, nachdem ihm das Todesurteil verkündet wurde, für Leben und Freiheit eine goldene Kette anbot, deren Länge um die ganze Stadt reichen sollte – was der Senat aber mit Entrüstung zurückwies. Als man den legendären Goldschatz der Likedeeler nicht finden konnte, wurde das Schiff an einen Schiffszimmermann verkauft. Als dieser die Säge ansetzte, um das Schiff zu zerlegen, traf er auf etwas Hartes: In den Masten verborgen war der Schatz, einer mit Gold, der andere mit Silber, und der dritte mit Kupfer angefüllt; und er ließ aus dem Gold eine Krone für den Turm der Hamburger St. Katharinenkirche anfertigen.

Störtebecker Festspiele

www.störtebecker.de

Schatz in der Stubbenkammer

In der Stubbenkammer auf Rügen soll Klaus Störtebeker der Legende nach einen unermesslichen Schatz versteckt haben. Die Störtebeker-Kuhle in der Nähe von Heringsdorf wird auch als Schatzversteck genannt, und die goldene Kette, mit der er sich in Hamburg freikaufen wollte, soll im Burggraben von Venz liegen.

Klaus Störtebecker