Allgemeines

Auf einer Strecke von 24,1 Kilometern wird auch heute noch mit historischen Dampflokomotiven und Waggons, die teilweise fast 100 Jahre alt sind, ein regulärer Betrieb aufrecht erhalten. Das Pfeifen der Dampfloks gehört zur gewohnten Geräuschkulisse im südöstlichen Teil Rügens. Im Unterschied zur Normalspur der Deutschen Bahn fährt der als „Rasende Roland“ bezeichnete Zug auf Gleisen mit einer Spurweite von nur 750 Millimetern.

originale RüKB-Lok 53 Mh, ehemalige Lenz-Gattung Mh von 1925
Der erste Streckenabschnitt von Putbus nach Binz, der noch heute in Betrieb ist, wurde 1895 eröffnet. Der Betreiber, der damals als Rügensche Kleinbahn-Aktiengesellschaft (RüKB) firmierte, erweiterte sein Netz bis 1899 auf 97,3 Kilometer. Eine Strecke führte vom Bahnhof Altefähr, gegenüber Stralsund, über Putbus nach Göhren. Die andere Strecke führte von Altenkirchen, nahe dem Kap Arkona, über die Wittower Fähre nach Bergen. Ende der 1960er Jahre wurden die meisten Streckenabschnitte stillgelegt.
Seit einem Gleisumbau zwischen 1977 und 1979 ist die Strecke Putbus–Göhren mit Oberbau K ausgerüstet, der Wechsel von Kies- zur Schotterbettung geschah erst Anfang der 1990er Jahre.



Eigentümer und Betriebsführung

Errichtet wurden die Strecken seinerzeit von der Rügenschen Kleinbahn-Aktiengesellschaft RüKB, an der die bauausführende Firma Lenz & Co. einen gewichtigen Anteil am Aktienkapital besaß. Die Firma Lenz & Co. übernahm zunächst auch die Betriebsführung. Ab 1. April 1910 ging diese an den Provinzialverband der Provinz Pommern über.
1940 übernahmen die aus dem Provinzialverband der Provinz Pommern hervorgegangenen Pommerschen Landesbahnen die Rügensche Kleinbahn-Aktiengesellschaft in ihr Eigentum.
Nach 1945 wurde die Strecke wie alle privaten Kleinbahnen in Mecklenburg-Vorpommern dem Landesbahnamt Demmin unterstellt. 1949 wurden die Strecken dann von der Deutschen Reichsbahn übernommen. Am 1. Januar 1996 ging die verbliebene Strecke von der nunmehrigen Deutschen Bahn AG an die neu gegründete Rügensche Kleinbahn GmbH & Co. über, welche damals zur Karsdorfer Eisenbahngesellschaft KEG gehörte.
Turbulenzen bei den Eigentumsverhältnissen gab es im Jahr 2004: Nach der Insolvenz der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft verkaufte deren Geschäftsführer Bernhard van Engelen die ihm persönlich gehörende RüKB im März an die Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (EBG) von Ludger Guttwein. Ein Streit über den Kaufpreis und über die Weiterführung des Betriebs führte jedoch dazu, dass der Vertrag im Mai rückgängig gemacht wurde. Im November ging die RüKB schließlich an den neuen Eigentümer Hermann Schöntag.

Streckenbeschreibung



Streckenbeschreibungen


Zug von Putbus bei Einfahrt in Sellin



Strecke Altefähr–Putbus–Göhren

Eröffnungsdaten:
Putbus–Binz 22. Juli 1895 Binz–Sellin West 20. März 1896 Sellin West–Sellin Ost 23. Mai 1896 Sellin Ost–Göhren 13. Oktober 1899 Altefähr–Putbus 4. Juli 1896 Putbus–Lauterbach Mole 28. Mai 1999 (Dreischienengleis in vorhandener Bahnstrecke Bergen–Lauterbach Mole) Im Kleinbahnhof Binz wird seit Eröffnung der ersten Strecke ein Bahnhofsrestaurant betrieben. In den Jahren 2003 und 2004 wurde das gesamte Gebäude aufwendig rekonstruiert und restauriert und ist seitdem wieder in Betrieb.



Strecke Bergen–Altenkirchen
Bergen–Altenkirchen
Legende 0,0Bergen4,6Thesenvitz5,4Lipsitz7,0Patzig/Rüg9,6Kartzitz10,6Bubkevitz12,9Zirmoisel14,1Tribbevitz15,1Neuendorf17,7Jabelitz18,5Trent20,1Tribkevitz22,4Wittower FähreWittower Fähre (350 m)23,2Fährhof28,5Woldenitz30,2Bohlendorf33,4Wiek34,7Buhrkow AbzweigAbzweig nach Bug35,8Lüttkevitz36,8Lanckensburg37,9AltenkirchenEröffnungsdaten:Bergen–Wittower Fähre 21. Dezember 1896 Fährhof–Altenkirchen 21. Dezember 1896 Buhrkov Abzweig–Starrvitz-Gramtitz 1. November 1918 Starrvitz-Gramtitz–Bug 16. Dezember 1918

Fährschiff Wittow von 1896 im Hafen von Barth (2005)
Die Strecke erschloss vor allem das landwirtschaftlich geprägte Hinterland der Insel Rügen und besaß im Ausflugsverkehr auf der Insel Rügen keine Bedeutung. Als Besonderheit bestand zwischen Wittower Fähre und Fährhof eine Eisenbahnfährverbindung, die auch dem Straßenverkehr diente. Genutzt wurde die Fähre nur im Güterverkehr und für die Überführung von Lokomotiven und Wagen, im Reisezugverkehr wurden keine Wagen übergesetzt.
Pläne zur Erweiterung der Strecke gab es mehrere, realisiert wurde letztlich nur der Abzweig auf den Bug aus militärischen Gründen. Schon genehmigte Streckenprojekte, wie die Streckenverlängerung nach Kap Arkona und von Trent nach Schaprode wurden letztlich nicht errichtet. Auch die Verbindung von Bubkewitz nach Garz, 1907 genehmigt, wurde nicht gebaut, obwohl die Verbindung der beiden Strecken auf Rügen sicherlich enorme betriebliche Vorteile gebracht hätte.
In den 1960er Jahren verlor die Strecke im Güterverkehr ihre Bedeutung, da immer mehr Transporte auf den Straßenverkehr übergingen. Am 10. September 1968 wurde der Betrieb auf der Nordstrecke Fährhof–Altenkirchen eingestellt, am 19. Januar 1970 endete auch der Verkehr auf der Strecke Bergen–Wittower Fähre. Der Abzweig zur Halbinsel Bug war schon 1955 endgültig eingestellt worden.
Die Fährverbindung zwischen Wittower Fähre und Fährhof blieb noch bis 1975 im Eigentum der DR und ging erst dann an die Weiße Flotte über. Erst in den 90er Jahren wurden die alten Eisenbahnfährschiffe außer Dienst gestellt und durch Neubauten ersetzt.

Die Lokomotive



Fahrzeuge

Auf der Bahn wurden zunächst zweiachsige Dampflokomotiven der Lenz-Typen ’’n’’ und ’’m’’ eingesetzt, später auch dreiachsige des Typ ’’o’’ und vierachsige der Typen ’’nn’’ und ’’M’’. Auch eine preußische T 36 kam nach Rügen. Nach der Übernahme der Strecke durch die Deutsche Reichsbahn kamen Lokomotiven anderer Bahnen hinzu, manche nur für kurze Zeit, so die Baureihen 99.451, 99.453, 99.464, 99.465 und 99.480, vor allem aber die Baureihe 99.51-60, die sächsische IV K, ab den 1980er Jahren auch Neubauloks der Baureihe 99.77-79. Letztere ist neben Lokomotiven der Type M und der Baureihe 99.480 auch heute noch vorhanden. Heute sind auch verschiedene Dampflokomotiven aus Privatbesitz auf der Strecke unterwegs. Seit 1965 gab es auch Diesellokomotiven, vornehmlich für Rangieraufgaben, zunächst zwei ehemalige Heeresfeldbahn Köf, von denen eine noch vorhanden ist. Seit 1998 fährt auch die von der Deutschen Bundesbahn stammende V 51 902 auf Rügen.
Im Rügener Schmalspurnetz wurde von Anfang an die Görlitzer Gewichtsbremse verwendet. 1965 begann die Umstellung auf Druckluftbremse. Im Gegensatz zu vielen anderen Schmalspurstrecken sind die Leitungskupplungen an den Fahrzeugen symmetrisch angeordnet. Da die ursprünglichen Maschinen keine Heizkupplungen hatten, mussten die Personenwagen mit Öfen ausgerüstet werden. Auch die seit den 60er Jahren von sächsischen Strecken umgesetzten Wagen wurden mit Öfen nachgerüstet. Von Anfang an bis heute wird die Balancierhebelkupplung benutzt. Einen Betrieb mit Rollfahrzeugen gab es nie.



Unfälle

Am 14. August 2005 kam es im Bahnhof Binz gegen 9:40 Uhr wegen einer falsch gestellten Weiche zu einem Unfall, bei dem ein Zug auf einen wartenden Zug aufgefahren ist. Dabei wurden Polizeiangaben zufolge 30 Menschen verletzt.