Info zum geplanten Kohlekraftwerk

Vortrag für das Podium am 02.11.2007

Sehr geehrte Damen und Herren, am 30. Oktober verkündete die OZ, dass DONG Energy ein abgasfreies Kohlekraftwerk bauen will und dazu natürlich die maximale Unterstützung der Landesregierung und der EU bekommt. Toll! Das, wofür die Ingenieure und Techniker bereits Jahrzehnte kämpfen, wird bei einem Spaziergang in der Lubminer Heide locker gelöst. Man muß nur wollen, denn geht es! Dieser Vorstoß ist nobelpreisverdächtig, für Chemie und vielleicht für Physik, oder für beide gleich, warum nicht?

Aber nun zu dem abgasfreien Werk selbst. Herr Gedbjerg hat bereits ausführlich über das Vorhaben berichtet. Seine Aufgabe als Investor ist die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften, DONG Energy ist dabei weder schlechter noch besser als die anderen Energieproduzenten in Deutschland, sie wollen Geld verdienen und ein Kraftwerk in Deutschland bringt sehr viel Geld, da die Preise hier am höchsten in Europa sind. So weit ist alles legitim und logisch. Die Aufgabe der Landesregierung und ihrer Behörden besteht jedoch darin, diese Vorhaben zu prüfen, und zwar nicht nur auf die Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen, was selbstverständlich ist, sondern vielmehr auf einen echten Nutzen der Investitionen für die Menschen und die Natur.
Und was haben wir, die Menschen in dieser Region, von diesem Projekt?

Zuerst braucht so ein Werk Kohle und zwar eine ganze Menge: für zwei Blöcke rund 3,6 Mio. t im Jahr. Diese wird auf dem internationalen Markt gekauft, natürlich so billig wie möglich. Und billig ist sie zur Zeit u. a. in China, Australien, Südafrika, Neuseeland, Russland, also alles Länder nicht so weit entfernt von Lubmin. Die Kohle wird abgebaut, auf Ozeanschiffe verladen und nach Lubmin zum Kraftwerk transportiert. Nur ist der Greifswalder Bodden für diese Schiffe viel zu flach, also wollte DONG Energy die Schiffe vor der Küste auf flachere umladen lassen. Was dabei passiert, ist klar: das Wasser wird schwarz vom Kohlenstaub. Die Proteste kamen promt und DONG Energy reagierte, wie immer, schnell und flexibel: die Umladung findet nicht vor Lubmin statt. Punkt. Nur wer sagt uns, dass es so bleibt, während der Genehmigungsphase kann man goldene Berge versprechen, während des Betriebes kann man genau so flexibel zur Ursprungsvariante zurückkommen, aus ökonomischen Gründen eben, warum auch nicht?

Nun sind die ersten Schwierigkeiten erfolgreich überwunden und die Kohle kommt ins Werk, wird zermahlen und in den Kessel zum Verbrennen gebracht. Das Kraftwerk soll laut Errichter einen
Wirkungsgrad von 47% haben, das ist gut für diese Art von Kraftwerken, bedeutet jedoch, dass 53%, sprich 1,9 Mio. t Steinkohle aus Australien und Südafrika um den halben Globus transportiert werden, nur um den Greifswalder Bodden aufzuheizen! Vielleicht ist das ebenfalls positiv zu sehen, schließlich ist der Greifswalder Bodden im Sommer manchmal etwas kühl, und so kann DONG Energy einen positiven Beitrag durch die Erwärmung des Wassers für die Urlauber und die Einheimischen leisten. Dazu kommen noch die grün angestrichenen Schornsteine und die designerische Gestaltung der Gebäude, also zusammen gesehen ein attraktives und einmaliges Objekt für touristische Besichtigung!

Mal im Ernst. Solche Kraftwerke sind in Dänemark nicht mehr genehmigungsfähig, da ihnen die s. g. Kraft-Wärme-Kopplung fehlt. Das ist die Benutzung der Restwärme, die sonst wie gesagt nur sinnlos in die Umgebung abgegeben wird, für Heizzwecke. Dabei kann man den Wirkungsgrad des Werkes auf bis zu 90% erhöhen, und die Belastung für die Umwelt wesentlich verringern. Einen in diese Richtung weisenden Beschluss hat der gerade abgelaufene SPD-Bundesparteitag gefasst, nämlich, dass Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen künftig nur noch mit eben dieser Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden dürfen, nur leider gilt das anscheinend nicht für M-V. Das Problem der KWK sind die Abnehmer, so eine Bindung macht nur Sinn, wenn neben dem Kraftwerk größere Abnehmer für die Wärme vorhanden sind. In Lubmin ist das nicht der Fall. Damit geht diese Energie sinnlos verloren.

Und einen weiteren üblen Haken hat die ganze Geschichte noch : Bei der Verbrennung der Kohle entstehen Substanzen, die in hoher Konzentration als Luftschadstoffe gelten: Kohlendioxid, Stickoxide, Schwefeldioxid und Staub. Außerdem enthält das Rauchgas noch Kohlenmonoxid, Fluor, Kohlenwasserstoff, Arsen, Cadmium, Quecksilber, dazu jede Menge Ruß und Asche sowie Radionuklide, die zur Folge haben, dass sich in der Umgebung eines Steinkohlekraftwerkes von 1000 MW Leistung die Radioaktivität um 0,1 Millisievert pro Jahr erhöht, zehnmal mehr als in der Umgebung eines Kernkraftwerkes mit gleicher Leistung!

Die Kohle verbrennt jedoch nicht ganz vollständig, es bleibt Asche aus dem Kessel, Flugasche und Gips aus der Rauchgasentschwefelungsanlage. Zum Abfahren braucht DONG Energy pro Woche 11 Schiffe, 2-3 Güterzüge und 50 LKW. (Zum Vergleich der Transporte: das KKW Lubmin aus DDR-Zeiten brauchte im Jahr ein paar Waggons für die Brennelemente und einige wenige LKW für den nicht nuklearen Teil, deshalb hat man diesen Standort am Ende der Republik gewählt, die größten Transportkapazitäten wurden für die Beförderung des Personals benötigt, bei DONG Energy wäre das genau umgekehrt). Die Frage ist: wohin fahren diese Züge, Autos und Schiffe? Wo sind die Abnehmer für diese Abfälle, bestimmt nicht in Mecklenburg-Vorpommern.

Außerdem, würden trotz der aufwendigen Filterung jährlich folgende Schadstoffmengen in die Umgebung verteilt werden:

- 7000 Tonnen Schwefeldioxid
Dieses Gas bildet beim Kontakt mit Wasser schweflige Säure und ist ein Bestandteil des „sauren Regens“. Bei Mensch und Tier bewirkt es eine Reizung der Schleimhäute. Bei den Pflanzen stört es den natürlichen Photosyntheseablauf und verursacht Blattnekrose und Waldsterben.

- 3600 Tonnen Stickoxide
Aus Stickstoffdioxid bildet sich beim Kontakt mit Wasser Salpetersäure, ein weiterer schädlicher Bestandteil des sauren Regens. Beim Menschen verursachen Stickoxide Erkrankungen der Atemwege.

- 700 Tonnen Staub
Feinstaub ruft ebenfalls Erkrankungen der Atemwege hervor und gilt außerdem als krebserregend.

- 900 kg Quecksilber
Dieses starke Gift gelangt in die Nahrungskette und reichert sich besonders in Seefischen und Waldpilzen an. Es führt zu neurologischen Störungen. (Quelle für die Zahlen: Ostseezeitung vom 5.4.2007)

Also, wirklich, ein abgasfreies Werk!

Und wohin gelangen all diese Schadstoffe? Welche Gebiete liegen in der Hauptwindrichtung neben Lubmin? Der Naturpark Insel Usedom mit dem Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden, das Biosphärenreservat Südost-Rügen, und der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bekäme auch seinen Teil ab, wenn der Wind von Osten weht, was auch recht oft der Fall ist. Die Inseln Usedom und Rügen sind aber außerdem die wichtigsten Urlaubsgebiete in Vorpommern, wo in den letzten Jahren viel Geld in die touristische Infrastruktur investiert wurde und Tausende Arbeitsplätze entstanden sind. Hier gibt es Hotels, Pensionen, Campingplätze, aber auch Reha- und Kurkliniken, die auf saubere Luft angewiesen sind. Darüber soll dann diese Schadstoffwolke niedergehen. Die Folgen für die Tourismus-und Gesundheitsindustrie wären katastrofal!!

Ein extra Thema ist der Ausstoß von Kohlendioxid, CO2. Es ist mittlerweile unumstritten, dass dieses Gas der Klimakiller Nr. 1 ist. DONG Energy gab zunächst einen Jahresausstoßwert von 6 Mio.t an, nach Kritik der falschen Berechnung kam die tolle Aussage: es ist eine Menge zwischen 0 und 10 Mio.t. Das ist wie beim Auto: wenn es steht, ist der Verbrauch gleich 0, wenn es auf der Autobahn fährt, verbraucht es 10 l. Nun ist ein SKKW kein stehendes Auto, deshalb solten sie schon konkrete Zahlen nennen: sie produzieren mind. 10 Mio. t CO2 im Jahr. In Wirklichkeit mehr: die Berechnung ist relativ einfach: 949 g pro Kwh x Arbeitsstunden im Jahr ergibt bei einer
80%-igen Auslastung der Anlage genau 10,64 Mio.t CO2. Dabei wird der gesamte Zyklus ab der Kohleförderung bis zur Verbrennung berücksichtigt. (Quelle: SPIEGEL Nr. 12-2007). Das Land
M-V produziert zur Zeit gerade 'mal 12 bis 13 Mio. t CO2 , d. h. mit diesem Kraftwerk würde sich der CO2 -Ausstoß in M-V fast verdoppeln.

Unsere Bundeskanzelerin wird nicht müde zu betonen, dass alle diesen Ausstoß verringern müssen und wird dafür in der Welt als Vorreiterin im Kampf um eine Klimaverbesserung geschätzt und gelobt, wie letzte Woche in Indien. Sie arbeitet dabei sogar mit konkreten Zahlen - 40% weniger CO2 -Ausstoß bis zum Jahr 2020. Finde ich toll! Nur die Realität sieht leider anders aus: Deutschland hat eine ganz kleine Verringerung gegenüber dem Jahr 1990 geschafft und das nur dank dessen, dass die DDR-Wirtschaft faktisch zusammengebrochen ist. Der reelle Ausstoß steigt, Deutschland produziert fast 1 Mrd. t. CO2 und liegt damit auf dem sechsten Platz in der Welt hinter den USA, China, Indien, Japan und Russland. In nächster Zukunft wird über den Bau von 20 bis 40 Kohlekraftwerken in Deutschland diskutiert. D. h. es geht nach dem Motto: global soll man reduzieren, lokal müssen wir neue Klimakiller bauen. Damit kann man alle schönen Sprüche zum Klimaschutz glatt vergessen.

Die schlimmste Ursache für diese verfehlte Politik liegt darin, dass die Regierung die CO2-Produzenten nicht zur Kasse bittet. Es gibt gegenwärtig nur ein Land, das für die Produktion des CO2 eine Steuer verlangt: das ist Norwegen, dort müssen Beriebe pro Tonne CO2 50 $ Steuer zahlen. Das ist absolut richtig, nur so kann man die Nutzer schmutziger Technologien zur Verantwortung ziehen und neue, umweltbewußtere Technologien für dieses Geld belohnen. Deutschland macht genau das Umgekehrte: die sogenannten „CO2- Zertifikate“ werden den Stromproduzenten geschenkt! Der echte Wert des Zertifikates wird zur Zeit auf ca. 20 € pro Tonne eingeschätzt, im Fall von DONG Energy würde das heißen, sie müssten ca. 200 Mio. € pro Jahr als CO2-Steuer abführen. Das wäre gerecht!

Und was machen unsere Landesväter in Schwerin? Sie haben was ganz Tolles ausgedacht. Wie oben gesagt: das abgasfreie Kohlekraftwerk. In Kürze: es geht hier um die Abscheidung des Kohlendioxids. Es gibt zur Zeit drei Methoden der Abtrenung dieses Gases, ich erläutere hier nur eine davon: die Verpressung in tiefere Schichten der Erde. Einfach gesagt: das Gas wird chemisch vom Abgas abgetrennt und unter die Erdoberfläche gepresst. Physikalisch und technisch geht das, jedoch nichts gibt es umsonst: bei diesem Prozess verliert das Kohlekraftwerk 10 bis 12% des Wirkungsgrades und die Kosten für die Verpressung sind enorm: laut Steag Untersuchung steigen die Kosten der Stromerzeugung um 200%. deshalb macht kein Energieproduzent so etwas freiwillig. (Quelle: die ZEIT Nr. 14-2007). Außerdem sind die Auswirkungen auf die Natur noch gar nicht richtig untersucht. Keine geologische Formation ist über einen längeren Zeitraum völlig dicht. CO2 ist aber ein Gas, es kann an die Erdoberfläche entweichen (etwa bei einem Erdbeben), was verherende Folgen hätte, denn da es schwerer als Luft ist, würde es sich am Boden ausbreiten und in der Umgebung alle Lebenwesen ersticken (bereits 8% Anteil in der Luft wirken tödlich). Dieses Verfahren muss deshalb durch weitere Forschung noch verbessert werden und wird nicht vor 2020 in größerem Maßstab nutzbar sein. Die Lösung für die Gegenwart kann nur die Verringerung der CO2 -Produktion sein, indem man die Energieerzeuger über die Pflicht zur Zahlung einer Steuer für den CO2-Ausstoß dazu zwingt, dass umweltfreundliche Kraftwerke, wie GuD immer mehr zum Einsatz kommen.

Ja, was tun? Und hier ist die Regierung von M-V auf eine glorreiche Idee gekommen: wir lassen doch nicht den Produzenten die Zeche zahlen, sondern die EU! Dort gibt es Geld im Überfluss, machen wir doch eine Pilotanlage, alles zahlt die EU. Es geht dabei um Hunderte Millionen €. Das ist das Geld der Steuerzahler, auch unseres! Fantastische Aufteilung: Profite für DONG Energy, Schadstoffe für die Bevölkerung und die Touristen und die Kosten für das CO2 zahlen alle Steuerzahler der EU-Länder. Damit bekommt DONG eine dritte Subvention neben dem s. g. Hafen, der ihnen die Kühltürme erspart (auch Millionen von €) und der fertigen Freiluftschaltanlage, die sie umsonst bekommen, ebenfalls nicht vergessen den Einlaufkanal. Man kann das ganze als günstige Infrastruktur deklarieren, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet. Außerdem ist das Verfahren der CO2-Verpressung, wie bereits gesagt, technisch noch lange nicht ausgereift. Dazu kommt die Frage geeigneter Speicherräume. Der einzig mögliche Platz in der Umgebung, der Salzstock bei Moeckow, ist ja bereits vergeben für die Speicherung von Erdgas, doch dazu später.

Was die Welt braucht, ist insgesamt ein globaler Preis für den Ausstoß von CO2, egal wie es entsteht. ... Und ohne ihn wird der Kampf gegen den Klimawandel nicht zu gewinnen sein. („Die Zeit“ Nr. 45/2007)

Weiter. Um die Schadstoffe besser verteilen zu können, werden von den Kraftwerken riesige Schornsteine genutzt. Die Rechnung ist einfach: je höher der Schornstein, desto größer ist die Verbreitungsfläche (in der Regel bis zu 100 km Umkreis) und desto geringer ist die Belastung für den einzelnen Menschen und die Natur. Am Anfang wurde die Schornsteinhöhe mit 150 m und die Gebäudehöhe mit 120 m angegeben. Nun gab es wieder Proteste wegen der schrecklichen Ansicht des Baus für die Touristen. DONG reagierte wie immer flexibel: sofort wurden die Schornsteine auf 110 m verringert und das Gebäude auf 80 m (ich frage mich,wie das überhaupt technisch für die angeblich bereits geplanten Anlagen geht – es ist mir ein Rätsel, aber nicht das einzige Rätsel bei der Werbung für dieses Werk). Das bedeutet, meine Damen und Herren aus der unmittelbaren Umgebung, dass die Menschen, die hier wohnen, wesentlich mehr belastet werden.

Ganz kurz zur Ökonomie. Der Investor gibt 2 Mrd. € als Gesamtsumme für die Errichtung des Werkes und 140 AK als Betreiberpersonal an. Vor kurzem waren es noch 1, 5 Mrd. € und 115 AK, aber wie sie bereits mehrmals sehen konnten: DONG ist mit Zahlen während des Genehmigungsverfahrens sehr, sehr flexibel. Damit fallen auf einen neuen Arbeitsplatz ganze 13 Mio € an Investitionen. Die Höhe der Investition ist sehr wichtig für den Investor, für die Region ist allein entscheidend ihre Auswirkung, d. h. die Beeinflussung der Natur und der Menschen, weiter die Anzahl der neuen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen für die Gemeinden usw., kurz gesagt: Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Und in diesem Punkt schneidet dieses Projekt für die Region gar nicht glorreich ab: die Anzahl der vorgegebenen Arbeitsplätze ist gering, die Emmissionen und Verkehrsbelastungen sind groß und die Folgen für den Greifswalder Bodden und den Tourismus kaum einschätzbar, jedoch auf keinen Fall positiv. Mit vielen kleineren Projekten könnte man wesentlich bessere Ergebnisse erzielen, an Vorschlägen mangelt es nicht, dazu müsste jedoch Schwerin ein offenes Ohr haben, momentan sind aber leider beide Ohren ziemlich taub.
Wir sind nicht gegen die Schaffung von Arbeitsplätzen, wir sind gegen wenige Arbeitsplätze für sehr viel Geld in dem Kohlekraftwerk und für viele Arbeitsplätze für weniger Geld und mit weniger Zerstörung der Natur!
Sehr geehrte Damen und Herren, wir, die Gegner des SKKW sind keine Spinner, die alles aus Langeweile ablehnen, wir sind nicht gegen eine Industrieansiedlung, jedoch nicht auf Biegen und Brechen, in so einer sensiblen Region wie der Umgebung der Inseln Usedom und Rügen muss ausgewogen und gut überlegt investiert werden, sonst reißt die linke Hand ein, was die rechte gerade aufgebaut hat. Was uns fehlt, ist ein vernünftiges, sachliches Konzept für die Entwicklung des s. g. Energiestandortes Lubmin, eingebunden in ein Gesamtkonzept für das ganze Land. M-V produziert jährlich 600 GWh Elektroenergie im Überschuss, wenn DONG Energy tatsächlich dieses Werk errichtet und dazu die bereits genehmigten 2400 MW Gaskraftwerke von Concord Power und EnBW kommen, die nebenbei gesagt wesentlich effizienter und sauberer als ein Steinkohlekraftwerk sind, dann kocht der Greifswalder Bodden. Zusätzlich sollen noch 15 Mio. t Salz aus dem als Erdgasspeicher ausgewählten Salzstock in Moeckow in die Peene und den Greifswalder Bodden abgeleitet werden. Ich bin kein Biologe, aber mich gruselt es jetzt schon beim Gedanken an ein solches Vorhaben. Außerdem können die Elektroleitungen diese Energiemenge gar nicht übertragen, denn wir dürfen auch die in Planung befindlichen Offshore-Windanlagen nicht vergessen, dort sind ebenfalls einige hundert MW Leistung vorgesehen. Ist das ein Plan oder ein Chaos? Wer braucht diese ganze Energie?
Alternativen.
Sowohl in den Bürgerinitiativen als auch außerhalb gibt es bereits einige alternative Vorschläge für die Entwicklung dieses Standortes. Einen davon haben wir in einem offenen Brief an DONG Energy formuliert und wir werden mit Ihnen intensiv darüber diskutieren.
Noch eine Alternative erlaube ich mir, Ihnen kurz zu erläutern. Es geht um das Gas aus Russland und um den Bau von Gaskraftwerken in Europa und in Deutschland. Es wird ständig geredet von der unsicheren Versorgung durch Russland und eine mögliche politische Erpressung. Wenn man so viel Angst hat, wozu baut man dann die neue Pipeline für 5 Mrd. €? Sind denn alle Politiker so blind? Die Realität sieht aber so aus: Russland hat Jahrzehnte lang Gas und Öl in den Westen geliefert und nicht einmal zu tiefsten Sowjetzeiten wurde irgendwann der Hahn abgedreht, - nicht aus Liebe, sondern aus rein pragmatischen Gründen der Devisenbeschaffung. Probleme gab es nur mit den sozialistischen Bruderländern, weil ihr Geld nicht soviel wert war. Zu Weißrussland und der Ukraine kann ich manches erzählen, das sprengt leider den Rahmen dieses Vortrages. Jedoch das wichtigste: die Pipeline wird bekanntlich durch die zwei deutschen DAX-Unternehmen BASF und RWE sowie Gasprom gebaut. Gasprom möchte unbedingt nicht nur das Gas liefern, sondern auch die Kunden in Deutschland abkassieren, wie das RWE und andere bereits erfolgreich tun. Das möchten aber die Deutschen nicht. Und umgekehrt: die Deutschen wollen sich an der Gas-Förderung beteiligen, das mögen die Russen wiederum nicht. Jedoch ist etwas Bewegung in Sicht, BASF hat gerade einen Vertrag mit Gasprom zur Gasföderung in Sibirien unterzeichnet. Was ich DONG Energy vorschlagen würde: bilden Sie doch ein Joint-Venture mit Gasprom zum Bau eines Gaskraftwerkes in Lubmin, dazu bekommen sie günstige Preise und jede Art der Sicherheit bei der Lieferung ist vorhanden, die Russen werden doch nicht ihr eigenes Kraftwerk ohne Brennstoff lassen, so verrückt sind sie wirklich nicht. Wenn es Ihnen nicht nur um den reinen Profit geht, was Sie stets betonen, denn machen sie das.
Sicherlich, DONG Energy wird dabei eventuell weniger verdienen, aber die Folgen des Betriebes eines Gaskraftwerkes für die Natur und die Menschen wären wesentlich geringer. In diese Richtung sollten die Anstrengungen der Landesregierung gehen, die von der SPD geführt wird und deshalb über einen guten Draht zu Herrn Schröder, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft, die die Gaspipeline errichten will, verfügen sollte, anstatt immer wieder die alles andere als zukunftsorientierte Technik zu preisen, die die Dänen momentan anbieten.

Noch zwei letzte Sätze. Es wird gegenwärtig viel über die Rettung und den Schutz der Natur gesprochen. Das ist ein Irrtum: die Natur allein braucht unseren Schutz nicht, sie existiert bereits Milliarden von Jahren und wird noch weiter existieren, wenn von uns längst keine Spuren mehr zu sehen sind. Schützen müssen wir Menschen die Natur als Lebengrundlage für uns selbst und unsere Nachfahren.

Warum sind wir Menschen so schizophren, dass wir erst für viele Milliarden die Natur zerstören, um danach zu versuchen, sie für noch mehr Milliarden wieder zu retten? Wann werden wir endlich vernünftig?

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und stehe natürlich für Ihre Fragen und die weitere Diskussion gern zur Verfügung.



W. Lobanowitsch